Die Hospitalkapelle St. Jacobus in (Ober-)Lahnstein

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In Lahnstein findet sich, versteckt in der Hochstraße, gegenüber dem Alten Rathaus, die Hospitalkapelle St. Jakobus. Die Hospitalkapelle wurde um 1330 erbaut. Sie diente mit dem daneben gelegenen Hospital während der großen europäischen Wallfahrten des Mittelalters nach Santiago de Compostela in Spanien zum Grabe des Hl. Apostels Jakobus den durchreisenden Pilgern als Unterkunft, denn bis nach Santiago waren noch rund 2200 km (Luftlinie) zurück zulegen.

Die erste Erwähnung dieser Kapelle stammt aus dem Jahre 1330 im Zusammenhang mit der Nennung eines Priesters Nikolaus, provisor hospitalis Pauperum in Laynstein. Zwei Jahre später gewährten mehrere Erzbischöfe und Bischöfe der Hospitalkapelle zusammen mit der Martinuskirche und der Ulrichskapelle in der Burg Lahneck für Besucher und Beter einen 40-tägigen Ablass.

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Burg Lahneck

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Kapelle den Charakter ihrer religiösen Bestimmung. 1790 schon wurde sie von Mainzer Husaren als Pferdestall benutzt. 1802 wurde von der Regierung die ersuchte Erlaubnis zum Verkauf erteilt. Die Kapelle wechselte dann mehrere Male ihre Besitzer, denen sie als Scheune, Schreinerei, Autogarage oder Lagerschuppen diente.

In den Jahren 1981-1985 wurde die Kapelle, auf Initiative des Ehrenbürgers Johannes Knauf durch die Stadt und einem eigens hierfür gegründeten Förderkreis Hospitalkapelle St. Jakobus von Grund auf renoviert. Dabei wurden unter dem Kirchenschiff die Reste einer früheren, kleineren Kapelle entdeckt. Der bedeutendste Fund war jedoch ein mittelalterliches Pilgergrab, in dem sich auch zwei Jakobsmuscheln befanden. Es ist das vierte Pilgergrab dieser Art in Deutschland. Jakobsmuscheln - an Hut und Mantel getragen - waren das Erkennungszeichen der Pilger auf ihrem Wanderweg. Nur Pilger, die sich an der "Großen Wallfahrt" nach Santiago de Compostela in Spanien beteiligt hatten, trugen solche Muscheln. Die "St. Jakobsmuschel" war das Abzeichen, das den Compostela-Pilger als Teilnehmer einer Bewegung kennzeichnete, der in dieser Zeit nur noch die Pilgerschaft des Islams nach Mekka ähnlich war... Der Tote selbst hatte eine Körpergröße von 1,65 - 1,70 und war etwa 50 - 60 Jahre alt. Seine Hände lagen über dem Körper und sind wohl gefaltet gewesen.

Über dem neu errichteten Portal befindet sich ein Tuffsteinrelief, das 1984 von dem Bildhauer Hans Gerhard Biermann aus Maria Laach geschaffen wurde. Es zeigt den heiligen Jakobus als Patron und Pilger und im Hintergrund ein Boot mit Pilgern sowie das Ziel der Wallfahrt, die Kathedrale in Santiago de Compostela.

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Tuffsteinrrelief

Durch ein kleines eingelassenes Fenster in dem mit Pilger- und Muschelsymbolen verzierten Portal ist den Besuchern - auch bei verschlossener Tür - ein Blick in das Innere der Kapelle ermöglicht.

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Muschelfenster + Türgriff

Die 15 Meter lange und 6 Meter breite Kapelle hat ein fensterloses 9 Meter hohes, flachgedecktes Schiff mit zwei übereinander liegenden Emporen.

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Emporen

Auf der linken Seite der Kapelle war ehemals das Hospital angebaut. Rechts stehen private Wohnhäuser. Der Chor mit 3/8 Schluss und Kreuzrippengewölbe ist ähnlich dem Chor der Martinus-Kirche Lahnstein.

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Links Chor Hospitalkapelle - Rechts Chor der Martinus-Kirche

Von den Kragsteinen (Köpfe und Laubwerk) des Chores stammen zwei aus der Erbauungszeit des Chores, zwei weitere wurden im Zuge der Restaurierung von dem Lahnsteiner Bildhauer Johannes Meuser geschaffen.

Im Chor konnten erhaltene Originalreste der ersten Farbfassung, nämlich des relativ dunklen Grau mit weißen Fugen, freigelegt werden. Wertvolle Fresken - von Peter Laros aus Bodenheim freigelegt - zeigen unter anderem Christus am Kreuz mit Maria, die hl. Katharina und den Kirchenpatron St. Jakobus d. Ältere.

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Fresko linke Seite

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Fresko rechte Seite

Zur heutigen Ausstattung der Kapelle gehören ein Ablassbrief für die Hospitalkapelle, die Pfarrkirche in Oberlahnstein und die Burgkapelle auf Lahneck aus dem Jahre 1332 und zwei neugotische Reliefs, die Hochzeit zu Kanaa und das heilige Abendmahl. Sie stammen von dem Lahnsteiner Bildhauer Caspar Weis und schmückten ehemals den Sakramentsaltar der Martinuskirche zu Oberlahnstein.

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Die Hochzeit zu Kanaa

Das heilige Abendmahl

Das Pilgergrab mit der Aufschrift "Grab eines unbekannten Jakobus-Pilgers" auf einer Basaltplatte und eine Statue des hl. Jakobus von dem Bildhauer Johannes Hillebrand aus Köln-Weiss aus rotem Verona-Marmor. Sie ist 2,32 Meter hoch und beschließt in ihrem Sockel die im Pilgergrab aufgefundene Jakobsmuschel. In der Kapelle hängt auch eine Europafahne, die der Stadt Lahnstein 1988 vom Europarat für ihre europäischen Partnerschaften überreicht worden ist.

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Statue des hl. Jacobus

Die Jacobsmuschel aus dem Pilgergrab

Ein barockes Altargemälde und 2 Engel vom ehemaligen Barockaltar der Martinuskirche gehören ebenso zur heutigen Ausstattung wie auch der Tabernakel aus dem ehemaligen Johanniskloster zu Niederlahnstein von Bildhauer Kaspar Weiß.
 

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Barockes Altargemälde

Tabernakel des ehemaligen Johannisklosters

Mein ganz persönlicher "Liebling" in dieser vergangenheitsumwitterten kleinen Kapelle ist wohl der hoch über allem schwebende barocke Engel. Sein Platz war früher über dem Hochaltar in der St. Martin Kirche. Nachdem er der Modernisierung dieses Gotteshauses zum Opfer gefallen war, fand er seinen Platz hier in der Hospitalkapelle. Ich finde - ein würdiger Ort für einen so zauberschönen Engel.

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Der Chor ist von der Altgasse, Giebel und Portal sind vom alten Marktplatz aus zu sehen.
 

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Der Chor von der Altgasse aus

Giebel und Portal vom alten Marktplatz aus

Blick von der Kapelle auf den alten Marktplatz

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Hinweistafeln an der Kapelle

Die Hospitalkapelle im Wandel der Zeit

Hier möchte ich Ihnen noch 2 Bilder vorstellen welche die Hospitalkapelle und den alten Marktplatz im Wandel der Zeit zeigen. Die historischen Originalbilder sind zu sehen im neuen Bildband über Lahnstein "Lahnstein früher und heute" (17,90 € / ISBN 978-3-9810505-9-2 /  Erschienen im Imprimatur Verlag), dem ich auch die Texte zu den Bildern entnommen habe.
 
Bitte klicken für Grossansicht Nach der Säkularisation 1803 wurde die Hospitalkapelle als Lagerhalle und teilweise auch als Viehstall missbraucht. Noch auf dieser Aufnahme von 1981 (von der Altgasse aus betrachtet) ist das Gebäude als Kirche erkennbar, von Lagerschuppen umringt.

Nach Ankauf der Kapelle durch die Stadt wurde das Kirchengebäude als solches wiederhergestellt und die Holzschuppen entfernt. der Hinterhofcharakter blieb erhalten. Ein Gang durch die Altgasse mit ihrem fast südländischen Flair gilt heute als Geheimtipp für jeden Besucher der Stadt Lahnstein.

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Der alte Marktplatz zwischen altem Rathaus und Hospitalkapelle diente 1976, als das untere Foto entstand, noch als Parkplatz. Der Brunnen ist ein Nachbau von 1937 nach altem Vorbild. Das Hotel Rheinischer Hof wurde um 1803 erbaut. Erwähnenswert ist der Balkon am Eckhaus Hochstraße/Rödergasse.

Heute wird der Platz im Sommer von dem umliegenden Gaststätten als Außenterrasse genutzt. Touristen und Einheimische genießen die Atmosphäre bei gutem Essen und Wein oder kühlem Bier zwischen den sanierten Häuserfassaden.

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Besichtigen können Sie die Hospitalkapelle im Rahmen der Stadtführung die jede Woche Mittwoch um 14:00 Uhr ab Hexenturm am Salhofplatz beginnt. Nach vorheriger Terminvereinbarung mit Herrn Bernd Geil vom Stadtarchiv Lahnstein ist auch eine Besichtigung außerhalb der Stadtführung möglich.
Heute wird die Kapelle für Konzerte, Vorträge, Dichterlesungen und Ausstellungen genutzt. Am Jakobustag, dem 25. Juli, findet in der Kapelle eine hl. Messe statt.
 

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Pilgerstempel
    Infos zum Lahn-Camino (Lahnhöhen-Pilgerweg) erhalten Sie bei der Tourist-Information. Pilgerstempel sind beim katholischen Pfarramt St. Martin, Pfarrgasse 6, sowie gegenüber der Hospitalkapelle im historischen Alten Rathaus im Stadtarchiv Lahnstein bei Herrn Bernd Geil erhältlich.

Öffnungszeiten Stadtarchiv:
Montag 8.00 - 12.00 Uhr
Dienstag 8.00 - 12.00, 13.30 - 16.00 Uhr
Mittwochs wegen Außendienst geschlossen
Donnerstag 8.00 - 12.00, 13.30 - 18.00 Uhr
Freitag  8.00 - 12.00 Uhr
sowie nach telefonischer Vereinbarung

Tel.: 02621/914-296
Fax: 02621/914-330
E-mail: archiv@lahnstein.de

Weitere Infos HIER

Quelle z.T. Stadtarchiv Lahnstein und Rhein-Lahn-Info
Credits: Die obere Innenaufnahme (Foto Gauls) mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Lahnstein


Die Geschichte des Apostel Jakob

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Apostel Jakobus
Gemälde von Albrecht Dürer

Der Name Santiago leitet sich vom Apostel Jakob (Sankt Jakob = Santiago) her, der in diesen nordwestlichsten Winkel Spaniens, den die Römer als "Finis Terrae", "Ende der Welt" INFO, bezeichneten, kam, um zu predigen und die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren.

Als Jakob im Jahr 44 nach Palästina zurückkehrte, wurde er dort von Herodes Agrippa gefangen genommen, gefoltert und getötet. Der König verbot, ihn zu begraben. Jakobs Schüler jedoch stahlen den Leichnam in der Nacht, und brachten ihn in einem Marmorsarkophag an Bord eines kleinen Bootes, das sie auf das Meer hinaustreiben ließen. Und die Meeresströmung trieb das Boot ins spanische Galicia, in den Hafen der römischen Provinzhauptstadt Iria Flavia, wo man den Apostel schließlich heimlich in einem Wald bestattete.

Im Jahr 813 hatte der Eremit Pelayo in jenem Wald eine Erscheinung: er sah ein seltsames Leuchten und hörte Gesänge. Auf Grund des Leuchtens wurde der Platz, auf Lateinisch, "Campus Stellae" (Feld des Sternes) genannt, ein Name, den die Bevölkerung später in Compostela umwandeln sollte.

Der Bischof Teodomiro, dem von dem Ereignis berichtet wurde, leitete eine Untersuchung ein, in deren Folge das Grab des Apostels entdeckt wurde. Der König, Alfons II., erklärte den Apostel daraufhin zum Patron seines Reiches, und ließ an der Stelle des Grabmals eine Kapelle errichten. Es wird von weiteren Erscheinungen und wundersamen Ereignissen an diesem Ort berichtet, und der Legende nach stand der Apostel sogar dem König Ramiro I. in der Entscheidungsschlacht gegen die Mauren zur Seite. Mehr und mehr Pilger begannen, dem Weg des Santiago, Camino de Santiago, hierher zu folgen. Aus der ursprünglichen Kapelle wurde bald die Kathedrale der neu entstehenden Siedlung, Santiago de Compostela.

Im 12. und 13. Jahrhundert erreichte die Stadt ihre größte Bedeutung. Papst Calixt II. legte fest, dass jenen, die in einem Heiligen Jahr nach Santiago pilgerten, alle Sünden erlassen würden. Ein "Heiliges Jahr" wird immer dann gefeiert, wenn der Tag des Apostels (25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Papst Alexander III. erklärte Santiago zur Heiligen Stadt, ebenso wie Rom und Jerusalem.
Quelle

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