Gedenkstätte meiner geliebten, unvergessenen Mutter

* 23. August 1922 - † 23.Juli 2005

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Ich schlafe nicht. Ich bin wie tausend Winde, die wehen.
Ich bin das diamantene Glitzern des Schnees.
Ich bin das Sonnenlicht auf reifendem Korn.
Ich bin der sanfte Herbstregen.
Wenn du aufwachst in des Morgens Stille, bin ich der flinke Flügelschlag
friedlicher Vögel im kreisenden Flug.
Ich bin der milde Stern, der in der Nacht leuchtet.
Stehe nicht an meinem Grab und weine. Ich bin nicht dort. Ich bin nicht tot.
(Unbekannter Verfasser)

Ich habe dieses Bild gewählt weil es eines meiner Lieblingsbilder von meiner Mutter ist. Es zeigt sie als ganz junges Mädchen. Es hing in meiner Kindheit auf unserem alten Speicher am Kamin... irgendwie vergessen.... 2001 holte ich es zu mir nach Hause und dort hängt es jetzt in der Diele, direkt neben dem Eingang.

Meine geliebte Mutter durfte ich erleben als einen liebenden, stets fürsorglichen Menschen. Für mich hat sie alles getan und sie war immer für mich da. Sie hat mir, gemeinsam mit meinem Vater, eine wundervoll, geborgene Kindheit geschenkt, hat mit mir gebetet am Abend und am Morgen, hat mich gepflegt wenn ich krank war... und das war sehr oft in meinen Kindertagen. Zu meinem Leidwesen hat sie mich als Kind immer in die schönsten Kleider gesteckt. Sehr unpraktisch war das wenn ich in Bäumen rumkletterte oder mal wieder im nahen Wald verschwunden war. Es war ein ewiger Streitpunkt zwischen uns, aber eine schöne Erinnerung über die ich so oft noch schmunzeln muss. Wir liebten beide riesige Eisbecher und haben sie gemeinsam verzehrt in den warmen Sommertagen auf unserer Hollywoodschaukel, wir sind spazieren gegangen und gemeinsam einkaufen und sie hat sich nie gewundert das ich ein so stilles, oft seltsames Kind war. Für sie war ich ihr "Stümbes" und anders hat sie mich nicht genannt.

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Meine Mutter und ich
Eine immer noch bezaubernde Erinnerung ist es für mich wenn ich daran denke wie meine Mutter im Wohnzimmer meiner Omi Lene an ihrem schwarzen Klavier saß und das "Ave Maria" von Gunnot spielte und dabei sang. Dann saß ich zu ihren Füßen und habe mich von den Klängen wegtragen lassen.
Bild: Meine Mutter, vorn, mit ihrer Freundin am Klavier

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Als ich flügge wurde hat sie die Nächte am Fenster verbracht und Ausschau nach mir gehalten, immer in Sorge das mir etwas passiert war... stumm vor sich hingrummelnd wenn ich in den frühen Morgenstunden wieder auftauchte.... und doch heilfroh das ich unversehrt wieder da war.

Natürlich hatten wir in späteren Jahren auch unsere Auseinandersetzungen, oft hat sie dann nicht verstanden was ich tat und sagte und es gab auch einmal eine ganz böse Zeit wo jeglicher Kontakt zwischen uns abgebrochen war. Ich habe ihr das alles nie übel genommen... vielleicht hätte ich als Mutter auch so reagiert... ich weiß es nicht. Die Liebe zwischen Mutter und Kind war stärker und als ich ihr damals meine Hand reichte hat sie sie angenommen und wir fanden wieder zueinander.

In den Jahren ihrer Krankheit wuchsen wir auf eine sehr eigene Art und Weise zusammen. Ich war da wenn sie mich brauchte, bin alle Wege zu Ärzten und in Krankenhäuser mit ihr gegangen als sie immer schlechter gehen konnte wegen ihren kaputten Hüftgelenken und ihren langsam blind werden Augen und ich war bei ihr als sie 2002 die Diagnose "Hirntumor" erhielt. Sie lehnte gemeinsam mit meinem Vater eine Operation ab. 3 Jahre waren uns noch geschenkt. Der Tod kam erst langsam und dann immer schneller. Sie wollte noch nicht gehen und als sie nicht mehr sprechen konnte hatte sie nur noch ihren Blick und ihre Tränen womit sie sich mitteilen konnte. Ich habe bei meinen letzten Besuchen im Krankenhaus versucht ihr nahe zubringen das sie in Frieden gehen kann... es hat mich viel Kraft gekostet.
Der Tod kam zu ihr als Freund in den frühen Morgenstunden des 23. Juli 2005 und sie ging friedlich von dieser Welt genau einen Monat vor ihrem 83. Geburtstag. Sie schlief ein in den Armen einer Ordensschwester... und das war gut so... denn die Ordensschwestern haben meine Familie immer durch unser Leben begleitet.

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Meine Hochachtung gilt meinem geliebten Vater. 54 Jahre war er in guten wie auch in schlechten Tagen an der Seite meiner Mutter, er hat für sie gesorgt und alle Höhen und Tiefen mit ihr gemeinsam durchlebt. Sie hatten zusammen wunderschöne, erfüllte Jahre. Als meine Mutter immer weniger wurde hat er sie versorgt und gepflegt weit über seine eigenen Grenzen hinaus und in steter Sorge um ihr Wohlergehen ohne auch nur ein einziges Mal, selbst sehr krank, an sich zu denken.
Bild: Meine Mutter und mein Vater 1944

Mein Dank gilt den Ordenschwestern Clarissa und Adelgundis welche meine Mutter in ihren letzten, schweren Wochen niemals ohne Beistand und Hilfe gelassen haben, den Pflegerinnen von Station 3 des St. Elisabeth Krankenhauses in Lahnstein für ihre freundliche Pflege und Hilfsbereitschaft sowie den Ärzten von Station 2 die meine Mutter nicht zum Sterben abgeschoben haben obwohl ihre "Liegezeit" im Krankenhaus schon längst überschritten war. Sie alle waren "Engel ohne Flügel" die sie begleitet haben bis sie in die Anderswelt gegangen ist......

Ihre letzte Ruhestätte haben mein Vater und ich gemeinsam ausgesucht, direkt neben seinen Eltern. Auf ihrer Trauerfeier wurde das "Ave Maria" gespielt das sie so sehr liebte.

Meine geliebte Mami "Danke" für alles was Du mir gegeben hast, für meine behütete Jugend, von der ich ein Leben lang zehren werde, für Deine Liebe und Geduld.
"Danke" mein Gott das ich eine solche Mutter haben durfte.

Traueranzeige
Abschied
Memorys
Originaltext "Ave-Maria"

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