Die Simultankirche (Friedenskirche) zu Friedrichssegen

Meine Arbeit am Bergbaumuseum Grube Friedrichssegen führte mich auch zu den Resten der Friedenskirche hier in Friedrichssegen, welche eine Simultankirche war. Ich war sehr beeindruckt von diesem Ort, und so habe ich mich entschlossen darüber etwas zu schreiben, und Ihnen mit meinen Bildern ein wenig von der Schönheit der Ruinen und des stillen Ortes im Friedrichssegner Tal nahe zu bringen.

Mein Dank gilt Herrn Hans Günther Christ, dem Leiter des Bergbaumuseums, der mir viele Hintergrundinformationen gab, und mir auch Bildmaterial zur Verfügung stellte, und dank ihm, und dem Arbeitskreis Grube Friedrichssegen, bin ich jetzt stolze Besitzerin eines "Mädchensteins" , den ich für meine Arbeit an der Site geschenkt bekam.... darauf bin ich stolz.....

Simultankirche allgemein 

Ein "Simultaneum" oder "Simultankirche" bezeichnet das gleichzeitige Feiern eines Gottesdienstes von Katholiken und Protestanten in einem Sakralbau. Es wurde erstmals von der Obrigkeit der Kurpfalz am 29. Oktober 1698 eingeführt. Die Reformierten mussten ihre Kirchen für den katholischen Gottesdienst öffnen. Die Katholiken jedoch behielten ihre Kirchen für sich alleine. So erlangten die Katholiken für 240 Kirchen ein Mitbenutzungsrecht.
Das Simultaneum wurde durch Erlass vom 29. März 1707 in der Kurpfalz wieder aufgehoben.

Historisch einmalig entstand ein "Simultaneum mixtum" in der Zeit von 1650 - 1850 in der Gemeinde Goldenstedt im Kreis Vechta. Der kleine Ort lag damals an der Grenze von zwei Herrschaftsbereichen mit unterschiedlichen Konfessionen. Vechta-Münster war katholisch und Diepholz-Lüneburg war evangelisch. Man traf sich in der Kirche zu einem gemeinsamen Gottesdienst, der von einem katholischen Priester und einem lutherischen Küster durchgeführt wurde.
Im Jahre 1817 endeten die Zweiherrigkeit und auch das Simultaneum wurde 1850 nach dem Bau einer evangelischen Kirche beendet.

Von diesem historischen Ereignis wohl offensichtlich inspiriert verfasst der Schriftsteller Bern Kessens 1786 seinen Roman " und an den Füßen eine goldene Uhr".

   

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Die Simultankirche Friedrichssegen im Wandel der Zeit 

Im Jahre 1888 findet im Kölsch Loch die Grundsteinlegung der Friedenskirche, einer Simultankirche, statt. Am 19. Dezember 1888 erschien der nachstehend wiedergegebene Artikel im Lahnsteiner Anzeiger:

Friedrichssegen, den 19. Dezember
Die Maurerarbeiten an unserer Simultankirche, zu welcher am 4. Mai d. Js. der Grundstein gelegt wurde, sind nunmehr soweit gediehen, daß am St. Barbaratage (4. Dez.) der letzte Stein unter Leitung des Herrn Verwalter Künsch gesetzt werden konnte. Die drei vom hiesigen Consumverein gestifteten Glocken, welche von Herrn F.W. Rinker in Sinn gegossen, sind nach dem veranstalteten Probeläuten als wohlgelungen hinsichtlich ihrer Form und Harmonie zu bezeichnen und machen dem betr. Glockengießer alle Ehre. Als Inschrift tragen die ehernen Kinder folgende Worte. Während die erste Glocke "Glück auf" heißt, führt die zweite den Sinnspruch "Zur Andacht ruf ich jede Konfession, denn jeder ist ja Gottes Sohn". Auch die Inschrift der dritten Glocke ist von tiefer Bedeutung und lautet: "Mein Geläute Fried bedeute, dazu Segen allerwegen". Außer diesen Worten trägt jede der 3 Glocken die Aufschrift: "Gestiftet vom Consumverein zu Friedrichssegen, gegossen von F.W. Rinker zu Sinn im Jahre 1888".

Die von Herrn Spenglermeister J.Geil in Oberlahnstein angefertigten getriebenen Thurmspitzen, welche vorige Woche aufgestellt wurden, gereichen dem Thurme zu einer herrlichen Zierde. Der Blitzableiter wurde auch gestern fertiggestellt und hat man, da das Dach des Chores gedeckt ist, heute mit dem Verschalen des Thurmes begonnen. In dem Knopf der Kuppel sollen nach der Fertigstellung die diesbezügl. Urkunden eingeschlossen werden. Jedenfalls wird die Kirche, welche als ein wirkliches Prachtwerk bezeichnet werden muß, an dem bekannten 4. Mai k.J. dem Gebrauche übergeben werden.

Für die Benutzung der Simultankirche zu Friedrichssegen wurden unter dem 11. Juli 1889 von der Eigentümerin, der "Anonymen Aktien-Gesellschaft des Silber und Bleibergwerks Friedrichssegen bei Oberlahnstein" Bestimmungen betreffend Benutzung der Kirche zu Friedrichssegen von den beiden Konfessionen (Katholiken und Protestanten) daselbst erlassen:

1. Die Kirche soll im Inneren und Äußeren stets den Eindruck hervorrufen, daß solche eine Simultankirche ist. Es ist daher nicht gestattet, irgendwelche Gegenstände noch anzubringen ohne spezielle Genehmigung der Direction des Werkes.

2. Jeder Konfession steht es frei, während ihres Gottesdienstes besondere für ihren Gottesdienst nöthige oder wünschenswerte Gegenstände zu verwenden (z. B. Fahnen, Beichtstuhl, Kanzelbibel ect., ect.), jedoch nach beendetem Gottesdienst sind diese Sachen stets sofort wieder in den betreffenden Sacristeien unterzubringen. Alle Sachen, welche für den speziellen Gottesdienst einer Confession nothwendig, hat jede Confession sich selbst zu beschaffen.

3. Die an der Kanzel liegende Sacristei ist für den protestantischen Geistlichen bstimmt, da dieser die Kanzel am meisten gebraucht, und die gegenüberliegende für den katholischen Geistlichen.

4. Jede Konfession hat für ihre Rechnung einen Küster zu bestellen, dessen Anstellung der Genehmigung der Direction des Werkes bedarf. Ebenfalls kann letztere verlangen, im Falle sie es für nöthig findet, daß er ersetzt wird.

5. Da die Direktion des Werkes die Aufsicht über die Kirchengebäude sich ausdrücklich vorbehält, so ist der Küster anzuweisen, deren hierauf bezüglichen Anordnungen Folge zu leisten.
 
6. Der Gottesdienst findet jeden Sonntag zweimal statt und zwar einmal ein protestantischer und einmal ein katholischer und wechseln beide Confessionen ab d. h. an einem Sonntag ist Morgens protestantischer und Nachmittags und am folgenden Morgens katholischer und Nachmittags protestantischer Gottesdienst und so fort. Am 21. Juli ec. ist Morgens katholischer Gottesdienst und wechselt dies künftighin, wie angegeben ab. Betreffend der sonstigen Fest- und Feiertage bleibt es den beiden Geistlichen überlassen, sich betreffend des Gottesdienstes zu einigen, und soll jedoch auch hier möglichst Morgens und Nachmittags gewechselt werden. Es ist jedoch nur gestattet, an den Feiertagen Gottesdienst zu halten, an welchen auch das ganze Werk feiert, d. h. nicht in Betrieb ist. Diese außergewöhnlichen Gottesdienste müssen im vorhergegangenen Gottesdienst angekündigt werden und werden auf Grund einer betr. Mittheilung des Geistlichen von der Direction durch Anschlag bekannt gegeben. Ebenso gilt Vorstehendes, für den Fall ein Gottesdienst einmal ausfallen müßte. Am Fastnacht-Dienstag Abends 6 Uhr findet regelmäßig ein bergmännischer Dankgottesdienst statt (Predigt), welcher abwechselnd von dem katholischen und protestantischen Pfarrer abgehalten wird.

7. In den Monaten October, November, Dezember, Januar, Februar und März beginnt der Morgengottesdienst um 8 Uhr und der Nachmittagsgottesdienst um 3 Uhr, in den übrigen Monaten Morgens um 8 Uhr und Nachmittags um 4 Uhr. Betreffend genauer Einhaltung dieser Zeit wird die Bahnzeit zu Grunde gelegt.

8. Die Küster haben sich gegenseitig beim Läuten der Glocken zu unterstützen und ebenfalls auch das Treten des Orgelbalges zu besorgen, beides durch Schuljungen zu besorgen, ist untersagt. Die Küster haben Punkt 8, 3 oder 4 Uhr mit dem Läuten der Glocken zu beginnen und zwar 5 Minuten lang zu läuten, dann beginnt der Gottesdienst.

9. Derjenige Küster, welcher Sonntags früh Gottesdienst hat, hat Samstags Abends 5 Minuten lang um 6 Uhr zu läuten.
 
10. Zur Erledigung derjenigen Fragen, welche sich auf die Instandhaltung und Benutzung des Kirchengebäudes beziehen, sowie zur Beschlußfassung über die Verwendung der in der gemeinsamen Opferbüchse für Armenzwecke verfallenden milden Gaben treten die Mitglieder bei der Kirchenvorstände unter dem Vorsitz des Ältesten der beiden Werksdirektoren zu einer Sitzung zusammen. Solche Sitzungen finden regelmäßig alle 6 Monate, außerdem so oft statt, als die Direction dies für nothwändig hält. Die von den Kirchenbehörden angeordneten Collekten für allgemeine kirchliche Zwecke fallen nicht unter diese Bestimmung.

11. Die beiden Lehrer (katholische und protestantische) haben sich betr. des Organistendienstes gegenseitig zu vertreten.

Auf Grund obiger Bestimmung übergeben wir am 14. Juli 1889 den beiden Confessionen (katholischen und protestantischen) dahier die neue Kirche zur Benutzung. Silber- und Bleibergwerk Friedrichssegen Die Direction gez: Heberle sen. Heberle jun. die von der katholischen Gemeinde Der Kirchenvorstand der gewählten Vertreter: evangelischen Gemeinde gez. J. Künsch, A. Schier, Heberle sen., Müller J. Zoll, F. Weckerle A. Gensmann, F. Vietor

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Friedrichssegen war hoch gestiegen und ist tief gefallen. Um 1880 beträgt die Zahl der Einwohner ca. 554 Menschen, 1888 waren es ca. 921. Die Hälfte der Bürger war protestantisch die andere katholisch.  1870 fand der protestantische Gottesdienst in der damaligen Schule statt, der katholische in einem Beetsaal direkt neben der Schule.

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Die Häuser des Tagschacht mit Schule
Eingeweiht am 04.Januar 1871

In den Monaten des Sommers wurde einmal im Monat, im Winter zweimal die Messe gelesen da die Pfarrer von außerhalb kommen mussten.
Den Friedrichssegner Bürgern war dies zu wenig und da der Wohlstand wuchs beauftragte die Grubengesellschaft einen Wiesbadener Architekten mit dem Bau der "Friedenskirche", einer Simultankirche für beide Konfessionen. Die Kirche wurde gefördert vom Gustav Adolf Verein und Bonifatius Verein.

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Die Einweihung der Kirche fand dann jedoch erst am 14.Juli 1889 statt. Dieser Termin wurde gewählt weil die in Paris wohnenden Aktionäre der Grube Friedrichssegen jährlich am 13.Juli ihre Generalversammlung abgehalten hatten und bei dieser Gelegenheit die Übergabe der Kirche vornehmen wollten. Einen Sonntag wählte man aus dem Grunde weil den auf der Grube Friedrichssegen arbeitenden Bergleuten sonst ein Lohnverlust von 1.400 bis 1.500 M. entstanden wäre.

In der Schulchronik ist zu lesen:

Der Einweihungstag war ein Festtag, wie ihn Friedrichssegen noch nicht erlebt hatte. Eine unabsehbare Menschenmenge war in dem engen Tal zusammengeströmt. 13 1/2 Uhr nachmittags kam der Festzug mit Trompetenklängen bei vielen hunderten von Zuschauern erst zum alten Betsaal, um Abschied zu nehmen. Die kirchliche Feier in der neuen Kirche dauerte 2 Stunden. Man sang gemeinsam die Lieder "Nun danket alle Gott" und "Großer Gott wir loben dich". Dekan Wilhemi von Braubach hielt die Weiherede, Pfarrer Lehr die Festpredigt über Joh. 20, 19 -23:
"19/ Als es nun an jenem Tage, dem ersten der Woche, Abend war und dort, wo sich die Jünger aufhielten, die Türen aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus und trat in die Mitte; und er sagte zu ihnen: "Friede sei (mit) euch!" 20 Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände wie auch die Seite. Da wurden die Jünger froh, als sie den Herrn sahen. 21 Jesus sprach nun wiederum zu ihnen: "Friede sei (mit) euch! Wie mich der Vater gesandt hat, sende auch ich euch." 22 Und nach dem er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: "Empfanget (den) heiligen Geist! 23 Wenn ihr jemandem die Sünden vergebt, sind sie ihm vergeben; wenn ihr (sie) jemandem nicht vergebt, sind sie (ihm) nicht vergeben."

Am Sonntag darauf wurde die Simultankirche vom katholischen Pfarrer von Braubach für den Gebrauch durch die Katholiken besonders geweiht. Bei dieser Feier waren auch viele evangelische Christen anwesend.

In der Chronik der Kirchengemeinde findet sich nachfolgender Eintrag:

Möge die Kirche in Friedrichssegen mit Recht den Namen "Friedenskirche" tragen! Mögen viele in ihr den Frieden Gottes finden, der höher ist denn alle Vernunft, und möge sie, nachdem sich in ihrer Einweihung die Einmütigkeit der evangelischen und der katholischen Bewohner Friedrichssegens aufs schönste gezeigt hat, ferner beide Konfessionen eine stete Mahnung zu gegenseitiger Liebe und zum Frieden sein.

Für geladene Gäste fand am Tage der Einweihung im Casino "Glück auf" ein Festessen mit Konzert statt. Aus dieser Zeit ist ein Speiseplan erhalten geblieben. Heute noch kann man das Original im Bergbaumuseum Friedrichssegen bewundern.
 

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Der Originalspeiseplan

     

Das Konzert-Programm

Es war die Blütezeit des Ortes, doch bereits 7 Jahre später wurde der Niedergang spürbar und die Arbeiter begannen abzuwandern. Die letzte hl. Messe für die katholischen Mitbürger fand 1912 und für die evangelischen 1917 in dieser Kirche statt.
Am 16. Juli 1913 geht die Bergbau-Aktiengesellschaft Friedrichssegen zu Friedrichssegen a. d. Lahn in Konkurs. Das Dorf veränderte sich mehr und mehr. Man verkaufte alles was nicht Niet- und Nagelfest war um es zu barer Münze zu machen.
Auch das Gotteshaus wurde nicht verschont und kam unter den Hammer. Die Chronik sagt dazu: Glocken und Orgel kaufte Becheln, Kanzel, Altar und Bänke erwarb Seelbach bei Nassau, den Ofen erstand Frücht, die Fenster kamen nach Oberlahnstein. Die Kirche verödete.

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Bilder: Stadtarchiv Lahnstein
Die einst so stolze Kirche vor der Sprengung im März 1937.
Links unten sehen Sie das heute noch vorhandene Haus, welches 1856 als Lebensmittelgeschäft gebaut wurde.

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Foto ©EmaeS
...und so schaut das Haus aus im Oktober 2005

1937 wurde die Friedenskirche "übungshalber" von Koblenzer Pionieren gesprengt.

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Bild: Stadtarchiv Lahnstein
Pioniere der 2. Kompanie des Pionierbatalion 34, Koblenz vor der Sprengung der Friedenskirche

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Die neue katholische Kirche wird 1938 geweiht. Sie kostete 17.154 Reichsmark (RM), veranschlagt waren 17.000 RM. Heute wir dieses Gotteshaus von der Pfarrei St. Martin zu Oberlahnstein betreut.
Foto ©EmaeS
 

     

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Die heutige evangelische Kirche in Friedrichssegen wurde neu gebaut im Jahre 1964/65.
Foto ©EmaeS

1950 erhält die Neuapostolische Kirchengemeinde Friedrichssegen im alten Kutschergebäude der Familie Multhaupt (Autogarage) ihren neuen Gottesdienst-Versammlungsraum.

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Die Simultankirche (Friedenskirche) Friedrichssegen im Oktober 2005

Es ist der 10. Oktober 2005, ein warmer Spätsommertag, man kann nur mit einer Jacke bekleidet durch die Wälder streifen ohne zu frösteln. Die Sonne scheint, ein letzter Hauch von Sommer liegt in der Luft, umhüllt mit dem Geruch des Herbstes in den feuchten Blättern. Es ist 15:30 Uhr und die Sonne sinkt langsam dem Horizont entgegen.
Ich (Eva Schmidt - Lady of Glenmore) wandere durchs Friedrichssegner Tal, mir so wohlbekannt aus Kindertagen... nur damals sah alles so anders aus und nichts ist mehr wie es war. Die Natur hat sich zurückgeholt was einstmals ihr gehörte und die wenigen noch vorhandenen Reste und Ruinen gnädig mit Blätterwerk und moderndem Laub verdeckt. Meine Gedanken reisen zurück in die Vergangenheit, und ich kann wieder sehen was einstmals noch war in den Jahren um 1959/1965. Es gab noch soviel mehr hier... oder scheint es mir nur so... ich weiß es nicht genau... aber ich durchwandere ein Stückchen Kindheit.
Heute bin ich auf der Suche nach den Resten der ehemaligen "Friedenskirche"... Kirchen und Friedhöfe haben es mir nun mal schon immer angetan. Herr Christ hatte mir heute morgen erklärt wo ich die Überreste der Kirche finden kann... nahe der Eingänge  zum "Heinrich-Stollen" und "Felix-Stollen" am ehemaligen Direktorenhaus vorbei in den Wald hinein.

Und so mache ich mich auf den Weg durchs feuchte Gras, den Berg hinauf um zu finden was einmal eine Kirche war und heute vielleicht nur noch ein Mahnmal menschlicher Überheblichkeit ist. Es ist wunderschön in diesem Stückchen Wald durch das ich gehe, so friedvoll, so still, so weit weg von den lärmenden Lauten der Zivilisation... damals 1888/89, als die Kirche erbaut wurde, war das wohl anders... jetzt herrscht nur die Ruhe des Waldes und das Zwitschern der Vögel.

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    Ich entdecke das Hinweisschild kurz vor dem Direktorenhaus das auf den Weg zur Kirche hindeutet.
Foto ©EmaeS

Das ehemalige Direktorenhaus ist immer noch bewohnt, und eines der 5 Häuser die den Zerfall und Abriss überlebt haben, und an ihm vorbei gehe ich den kleinen, schmalen Waldweg hinauf.
Foto ©EmaeS

   

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Wie schön dieser enge, ein wenig zugewachsene Waldpfad doch ist im langsam schwächer und goldener werden Licht der späten Nachmittagssonne. Voll Freude schaue ich dem Spiel der Lichter zwischen den noch grünen Blättern zu und folge weiter dem gewundenen Weg nach oben.
Foto ©EmaeS

Erstaunlicherweise nicht außer Atem wegen der kleinen Steigung des Pfades, sehe ich nach einer Wegbiegung die Überreste der alten "Friedenskirche" vor mir liegen... und bin beeindruckt von der sanften Schönheit dieses kleinen Plateaus mitten im Wald.

Während der Freilegung der Grundmauern im Jahre 2000 bot sich das nachfolgende Bild dem geneigten Betrachter.

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Hier noch eine Besonderheit des Friedrichssegener Tals. Diese Profilbacksteine sind in den Baujahren 1888/1889 eigens nur für die Friedenskirche im Thonwerk zu Friedrichssegen gebacken worden. Sie haben die Maße 28 cm Höhe, 14 cm Breite und 7 cm Dicke. Weltweit sind sie als absolut einmalig anzusehen. Bild 1 und 2 zeigt einen Profilbacksteine so wie er bei der Freilegung der Reste der Simultankirche durch den Arbeitskreis Grube Friedrichssegen gefunden wurde. Ein weiterer Stein befindet sich im Bergbaumuseum Friedrichssegen. Dort ist er bekannt als "Mädchenstein.  Hier zu sehen auf Bild 3.
Die Figuren dieses Steines haben in der heutigen Zeit eine spezielle Bedeutung gefunden im Tal zu Friedrichssegen.
Mehr darüber erfahren Sie mit Klick auf Bild 4.

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Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4 (pdf)

Die Bilder 5 - 8 zeigen Exponate aus dem Bergbaumuseum Friedrichssegen die zur ehemaligen Simultankirche gehört haben.
Bild 5:           Gewölbeaufhänger der Friedenskirche
Bild 6:           Ein Dachziegel der Friedenskirche
                   der bei der Freilegung gefunden wurde
Bild 7 und 8:  Ein Ziegelstein von 1900 gebrannt im Thonwerk
                   Friedrichssegen

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Bild 5

Bild 6

Bild 7

Bild 8

Eine lange Weile verharre ich an diesem Ort, sehe mich um, entdecke noch eine Tafel mit Informationen und 2 interessanten Bildern. Sie zeigen den Altarraum 1927 während der Nutzung als Sommerschule.

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Bilder aus vergangener Zeit

2 Zeitungsausschnitte (pdf)

Die schneller sinkende Sonne mahnt mich nach Hause zu gehen und nach einem letzten verträumten Blick auf diese Stätte christlichen Glaubens trete ich langsam den Weg zurück an. Etwas abseits fällt mir dieses Symbol der Vergänglichkeit noch ins Auge...

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Was für ein wunderbarer Platz für ein Gotteshaus... wie schade das es ihn nicht mehr gibt... wie tröstlich zu wissen das Gott keines Hauses bedarf... er ist überall' in jeder Blume, in jeder Pflanze, in jedem Tier und das ist  mir heute hier wieder sehr bewusst geworden.
Ein später Schmetterling taumelt über meinen Weg... wohl auf der Suche nach den letzten Necktartropfen der Blüten. Ich gehe wieder am alten Direktorenhaus vorbei zur Straße zurück... nachdenklich und doch heiter... und um eine schöne Erinnerung reicher...
©11.10.2005EmaeS

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